Die technische Perspektive im Sachunterricht - Worum geht es?

Kindern begegnet Technik 

  • im Alltag (Haushaltsgeräte etc.),
  • im Spiel (ferngesteuerte Autos, Baukästen, Coding-/Robotikspielzeug),
  • in Umweltsystemen (Müllabfuhr, Strom-/Wasserversorgung, Medizintechnik),
  • in digitaler Technik (Smartphone, LernApps, Sprachassistenten Siri, Alexa),
  • als Teil sozialer und kultureller Lebenswelt (Videoanrufe, Medienzeiten).

 

Kinder leben mittlerweile in einer hochtechnisierten Welt und nutzen diese zum Teil intuitiv. Allerdings bleiben die Funktionszusammenhänge sowie Folgewirkungen von Technik oft unreflektiert. Ziel der technischen Perspektive ist es, technische Phänomene im Alltag erfahrbar zu machen, technische Problemlösungen zu fördern, technische analysierende Gestaltungskompetenzen (Planen, Bauen, Erproben etc.) zu entwickeln, Technik selbstbestimmt, verantwortungsbewusst und nachhaltig zu nutzen sowie über Technik zu reflektieren. In der Grundschule steht das spielerische und probierende Handeln im Vordergrund. Aber: „Erst die Verknüpfung von Handlungs- und Verstehensprozessen ermöglicht das Erfassen von technischen Gegenständen, Prozessen und Abläufen, die Übertragung des Erfassten auf weitere technische Bereiche sowie die kritische Auseinandersetzung mit Technik.“ (GDSU 2013, S. 63). Eine tiefe Durchdringung der technischen Prinzipien und Funktionszusammenhängen muss dementsprechend über die handelnde Auseinandersetzung hinaus initiiert werden. 

Die Denk,- Arbeits- und Handlungsweisen der technischen Perspektive sind ausgelegt auf ein tieferes Verständnis der technischen Perspektive und einer Anknüpfung an den Technikunterricht in den weiterführenden Schulen. Sie umfassen folgende Bereiche:

  • Technik konstruieren und herstellen
  • Technik und Arbeit erkunden und analysieren
  • Technik nutzen
  • Technik bewerten
  • Technik kommunizieren

Diese Bereiche sind in fast allen Lehrplänen zu finden. In einigen Bundesländern werden diese Kompetenzen in anderen Fächern (Werken, Technik oder Gestalten) vermittelt, hier bietet sich ein projektartiges, fächerübergreifendes Arbeiten an. 

Zur Unterstützung und Strukturierung wurde in Anlehnung an den Forschungskreislauf (siehe auch Forschendes Lernen) ein Technikkreis als Instrument entwickelt, um mit Kindern technische Lösungen zu entwickeln. Die aufgezeigten 6 Phasen enthalten konkrete, didaktische Handlungsempfehlungen zur Lösung von technischen Problemen und zur Nutzung von Konstruktions- und Fertigungsaufgaben sowie für das technische Experiment (s. u.).

Abbildung nach Ahlgrimm et al. 2018, S. 87

 

Ausgehend von einem Problem, dass final gelöst werden soll, können unterschiedliche Aufgabenformate genutzt werden:

Bei der Konstruktionsaufgabe entwerfen, erfinden, optimieren und bewerten die Kinder ein Konstrukt z. B. eine Fantasiemaschine.

Bei der Fertigungsaufgabe wird nach Anleitung etwas hergestellt oder zusammengefügt, hierbei ist insbesondere die Genauigkeit und Präzision gefragt. In der Arbeitswelt sind diese vor allem in der Produktion vertreten (Automotoren o. ä.).

Bei einem technischen Experiment wird geforscht, etwas miteinander verglichen und kriteriengeleitet untersucht. Welche Belastungen hält das Produkt stand? Welches Produkt eignet sich eher für den Verwendungszweck etc.?

Eine Produktanalyse wird zweckorientiert durchgeführt, indem beispielsweise etwas demontiert, nachgebaut oder geprüft wird. Hierdurch könnte dann eine genaue Bedienungsanleitung entstehen. (s. Haus der kleinen Forscher, S.11) 

Für den Modellbau bieten sich insbesondere Alltags- und Verbrauchsmaterialien an, mit denen Kinder auch in ihrer Alltags- und Lebenswelt in Berührung kommen. 

Der Blick auf die kleinen Alltagshelfer hilft den Kindern ebenso technische Funktionszusammenhänge nachzuvollziehen und zu verstehen, anstatt auf die großen Erfindungen wie die Dampfmaschine etc. einzugehen. Schärfen wir den Blick für die kleinen technischen Dinge im Alltag, so fallen uns mit Kinderaugen diverse Konstrukte zur genaueren Betrachtung ein: Türklinke und -schloss, Reiß-/und Klettverschluss, elektrische Zahnbürste, Zahlenschloss, usw. 

Durch eine exemplarische und „tüftelnde“ Herangehensweise mit verschiedenen Aufgabenformaten, können Hemmnisse und Ängste sowie ggf. geschlechterspezifische Einstellungen abgebaut und technische Kompetenzerfahrungen und eine kritische Haltung aufgebaut werden. 

Literatur:

Ahlgrimm, A./Binder, M./Krekeler, H./Ploog, M./Wiesmüller,C.: Technikkreis – ein Werkzeug für Fach- und Lehrkräfte, die Kinder beim Lösen technischer Probleme begleiten. In: GDSU-Journal, 8. 2018, S. 79-89

Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts (Hrsg.): Perspektivrahmen Sachunterricht. Bad Heilbrunn 2013

Haus der kleinen Forscher: Technik – Bauen und Konstruieren. Hintergründe und Praxisideen für die Umsetzung in Hort und Grundschule. Berlin 2012 unter: https://www.stiftung-kinder-forschen.de/fileadmin/Redaktion/1_Forschen/Themen-Broschueren/Broschuere_Technik_Bauen_Konstruieren_2012_akt.pdf

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