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Die geografische Perspektive im Sachunterricht vermittelt Kindern grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich der Geografie. Diese Perspektive stützt sich auf die Geografie als Bezugswissenschaft, die auch als Raumwissenschaft bekannt ist. Das bedeutet, dass sie sich auf die Untersuchung von Räumen, deren Strukturen, Prozessen und Wechselwirkungen konzentriert. Die Geografie untersucht, wie natürliche und menschliche Faktoren die räumliche Anordnung und Dynamik der Erde beeinflussen. Dabei wird die Erde als ein komplexes System von Räumen betrachtet, in dem physische und menschliche Faktoren interagieren. Diese Perspektive ermöglicht ein Verständnis der räumlichen Muster und Prozesse, die für das Leben auf der Erde von zentraler Bedeutung sind.                                       

Räume sind eine wesentliche Dimension des menschlichen Lebens. Auf der einen Seite nutzen, gestalten, verändern und bedrohen Menschen Räume und auf der anderen Seite beeinflussen räumliche Gegebenheiten das menschliche Leben. Die geografische Perspektive bezieht sich auf Naturphänomene wie Wetter und Naturereignisse, auf die natürlichen Grundlagen von Lebensräumen sowie auf die Lebensweisen und -formen der Menschen in verschiedenen Lebensräumen, sowohl in der Nähe als auch in der Ferne und auf die Verbindungen und Verflechtungen unterschiedlicher Räume. Dabei liegt der Fokus auf der Wahrnehmung, Erschließung und Orientierung in diesen Beziehungen und Verflechtungen im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung (vgl. Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts (2013):46). Das geografische Lernen im Sachunterricht ermöglicht es den Kindern:

  • „die Welt wahrzunehmen – räumliche Situationen, Entwicklungen und Veränderungen und die eigene Beziehung zu Räumen wahrnehmen zu können,
  • die Welt zu erschließen – räumliche Erscheinungen und Situationen zu erkunden, zu analysieren und zu bewerten, sich über verschiedene Räume und Lebenssituationen von Menschen zu informieren und eigene Vorstellungen und Konzepte zu erweitern,
  • sich in der Welt zu orientieren – sich mit räumlichen Situationen, Verflechtungen, Beziehungen und Abhängigkeiten auseinandersetzen, mit unterschiedlichen Orientierungsmitteln arbeiten und dabei zunehmend Orientierungsmuster zu räumlichen Situationen auf verschiedenen Maßstabsebenen (lokal bis global bzw. universal) aufbauen,
  • in der Welt zu handeln – Vorstellungen, Beziehungen und Einstellungen zu Räumen, zu Lebenssituationen und Menschen in der Nähe und Ferne, zur eigenen Identität und zu anderen Kulturen zu reflektieren und einzuordnen, über eigene Handlungsweisen nachzudenken und Perspektiven für künftige Entwicklungen zu entwerfen“ (Adamina/Hemmer/ Schubert 2016, S. 9f).

Kinder erleben heutzutage Nah- und Fernräume gleichzeitig. Das Fach Sachunterricht muss beides bedenken und miteinander vernetzen, um „Einblick in unterschiedliche Welten in der Nähe und Ferne zu nehmen“ (Adamina/Hemmer/Schubert 2016, S 9). Dabei ist zu beachten, dass Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen, gerade in der körperlichen oder geistigen Entwicklung, oft aufgrund ihrer persönlichen Einschränkungen oder ihres sozialen Familienhintergrundes nur begrenzte Möglichkeiten haben, sich in ihrer Umwelt zu bewegen und diese zu erkunden. Ist dies der Fall, muss der Unterricht in jedem Fall handlungsorientiert (was dem Sachunterricht in der Regel sowieso innewohnend sein sollte) und auf die Grundlagen der Raumorientierung ausgerichtet sein. Dazu bietet sich zunächst der Nahraum an, um sich im alltäglichen Unterricht im Raum zu bewegen und somit Kenntnisse über Raum-Lagebeziehungen zu erwerben. Wo es durch konkrete Erlebnisse und Interessen der Schülerinnen und Schüler sinnvoll ist, sollte eine Integration des Fernraums von Beginn an erfolgen. 

Die geografische Perspektive vereint Natur, Kultur und Gesellschaft auf allen Maßstabsebenen, von lokalen bis zu globalen Kontexten. Dabei wird auf die Alltags­erfahrungen, Vorstellungen sowie das Wissen und Können der Lernenden aufgebaut (vgl. Adamina/Hemmer/Schubert 2016, S 10). 

In der Grundschule zielt das geografische Lernen darauf ab, das Interesse der Kinder an der Welt um sie herum zu wecken und ihnen ein grundlegendes Verständnis für die geografischen Zusammenhänge zu vermitteln, das sie in ihrem späteren Leben nutzen können.

Literatur

Adamina, Marco/ Hemmer, Michael/ Schubert, Jan Christoph (Hrsg.): Die geographische Perspektive konkret. Begleitband 3 zum Perspektivrahmen Sachunterricht. Bad Heilbrunn 2016

Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts (Hrsg.): Perspektivrahmen Sachunterricht. Bad Heilbrunn 2013

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