Bei uns steht das Thema Schulentwicklung gerade groß auf der Agenda. Das liegt auch daran, dass wir für das Startchancen-Programm ausgewählt wurden. Schulentwicklung – das klingt erst einmal recht trocken nach Konzeptpapier und langen Teamsitzungen. All das gehört zwar auch dazu. Gleichzeitig merken wir gerade, was Schulentwicklung im Idealfall bedeutet: wenn neue Ideen nicht nur diskutiert werden, sondern im Unterrichtsalltag konkret spürbar werden. Für uns gehört dazu vor allem, Schule stärker nach außen zu öffnen und mit PartnerInnen im Stadtteil zusammenzuarbeiten. Denn in solchen Kooperationen steckt unglaublich viel Potenzial.
Warum überhaupt externe Kooperationspartner?
Schule kann viel leisten – aber eben nicht alles allein. Außerschulische PartnerInnen bringen oft genau das mit, was im Schulalltag oft fehlt: zusätzliche personelle Ressourcen, besondere fachliche Schwerpunkte, neue Perspektiven oder einfach mal andere Lernorte.
So haben wir zum Beispiel vor einiger Zeit einen Sportverein mit ins Boot geholt, der uns im Ganztag unterstützt und Kurse wie Cheerleading oder Aikido anbietet. Ein Kulturladen im Stadtteil vermittelt uns LesepatInnen, die jede Woche zu uns an die Schule kommen und mit Kindern lesen. Außerdem arbeiten wir eng mit einem Abenteuerspielplatz in der Nähe zusammen, der mit unseren Klassen Workshops zu Themen wie Feuer, Hecke oder Werkzeuge durchführt. Mehrere Klassen nutzen den Abenteuerspielplatz inzwischen auch regelmäßig für Unterricht im Rahmen der Draußenschule. Lernen findet dann nicht nur im Klassenzimmer statt, sondern wird auch nach draußen verlagert, mitten in den Stadtteil.
Gerade weil unsere Schule in einem sozialen Brennpunkt liegt, verfolgen wir mit solchen Kooperationen noch ein weiteres wichtiges Ziel: Wir möchten Kindern und Familien zeigen, welche Anlaufstellen und Freizeitmöglichkeiten es direkt in ihrem Umfeld gibt. Umso mehr freut es uns, dass mittlerweile viele Kinder den Abenteuerspielplatz auch nach der Schule und in den Ferien besuchen oder Mitglied in dem Sportverein geworden sind, mit dem wir zusammenarbeiten.
Langfristige Kooperationen als Ziel
Unser Schulentwicklungsziel ist es, dass solche Kooperationen keine einmaligen Aktionen bleiben. Dabei spielt uns natürlich auch in die Hände, dass wir nun Teil des Startchancen-Programms sind. Ziel des Programms ist es, Bildungschancen zu verbessern und Schulen in ihrer Weiterentwicklung zu stärken. Und genau dafür braucht es nicht nur gute Ideen, sondern auch die passenden Ressourcen. Dank der finanziellen Mittel des Startchancen-Programms sind inzwischen weitere Partner fester Bestandteil unseres Schulalltags: Eine Ergotherapeutin, eine Musikschule und ein ortsansässiges Kindertheater bereichern unsere Schule mit zusätzlichen Angeboten. Vor allem die Theaterworkshops kommen bei den Kindern richtig gut an.
Kooperationen sind aufwändig und teuer – also nichts für die einzelne Lehrkraft?
Kurze Antwort: Doch, Kooperationen sind auch etwas für die einzelne Lehrkraft. Natürlich braucht eine langfristige Zusammenarbeit oft die Unterstützung der ganzen Schule. Sie muss organisiert, abgestimmt und häufig auch finanziert werden. Aber das heißt nicht, dass nur kostspielige, schulweite Projekte möglich sind. Auch als einzelne Lehrkraft kann man Kooperationen anstoßen – manchmal viel unkomplizierter, als man zunächst denkt. Es hilft, den Blick ein wenig über den schulischen Tellerrand hinaus zu richten und offen für Kontakte im Stadtteil zu sein.
Für mich hat sich auf diese Weise eine kostenlose Zusammenarbeit mit einem Jugendzentrum ergeben. Und das, obwohl die Einrichtungsleitung anfangs noch der Meinung war, Grundschulkinder gehörten eigentlich gar nicht zu ihrer Zielgruppe. Welche spannenden Projekte daraus entstanden sind, erzähle ich euch in den nächsten Beiträgen.