Eltern in den Schulalltag integrieren?!

iStockphoto.com / Deagreez
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Die Sicht auf Elternmitarbeit im Schulalltag ist individuell sehr unterschiedlich. W├Ąhrend ich meinen Unterricht gern ├Âffnen m├Âchte, Eltern zur Hospitation einladen w├╝rde oder angebotene Hilfe bei Ausfl├╝gen und anderen Gelegenheiten sehr sch├Ątze, sehen viele Kolleginnen Elternmitarbeit sehr kritisch. Auf der einen Seite f├╝hlen Sie sich durch Elternunterst├╝tzung beobachtet und kritisch be├Ąugt, auf der anderen Seite sehen sie aber auch Entlastungen bei besonderen Anl├Ąssen. So freuen sie sich in der Weihnachtszeit auf Unterst├╝tzung beim Adventsbasteln, beim Keksebacken oder bei Begleitungen zum Schwimmunterricht und Klassenausfl├╝gen. Ich frage mich dabei immer: Warum nur bei solchen Gelegenheiten? Warum keine ├ľffnung auf mehreren Ebenen? Wenn ich mich so umh├Âre, gibt es eher weniger Offenheit. Vielleicht bin ich auch noch zu neu in der Schule und bedenke nicht alles. Mein Beitrag wird daher mehrere Sichtweisen beinhalten und Denkanst├Â├če beinhalten, die nicht nur meine eigene Meinung widerspiegeln.

Eltern - ungesch├Ątzte Ressourcen?

Elternarbeit kann anstrengend sein ÔÇô keine Frage! Denke ich an Eltern, die bei Gespr├Ąchen auf ihrer Meinung beharren, sich einer Zusammenarbeit f├╝r das Kind widersetzen oder schlicht und einfach beratungsresistent sind, ist bei mir Kopfschmerz vorprogrammiert. Doch solche Eltern hatte ich bislang eher selten. Meine Erfahrungen sind gr├Â├čtenteils positiv. Mit diesem Hintergrund ist es mir ein Leichtes, mir Elternmitarbeit in vielerlei Hinsicht vorzustellen:

  • Mithilfe in der Sch├╝lerb├╝cherei
  • Einbeziehung als Leseeltern/Lesegro├čeltern
  • Eltern als Experten (interessante Berufe, besondere Hobbys, besondere F├Ąhigkeiten)
  • ÔÇ×lebendiger AdventskalenderÔÇť (Eltern/Gro├čeltern kommen als ├ťberraschungsgast und bieten eine kleine Aktion (etwa 45 Minuten) an; z.┬áB. vorlesen, Geschichten erz├Ąhlen, kl. Bastelaktion
  • Schulfr├╝hst├╝ck
  • Einbeziehung bei Aktionstagen (Schulwegsicherung, Berufstage, etc.)
  • ggf. Angebot einer AG
  • Unterst├╝tzung bei Ausfl├╝gen
  • Einblicke in andere Kulturen (gerade bei vorhandenem Migrationshintergrund finde ich eine authentische Darstellung spezifischer kultureller Besonderheiten durch Eltern und Gro├čeltern sehr bereichernd)

Solche Ressourcen f├╝r das Schulleben ungenutzt zu lassen, f├Ąllt mir schwer.

Eltern - Spionage im Klassenzimmer?

Doch nicht wenige Kollegen f├╝hlen sich in Anwesenheit der Eltern etwas unbehaglich, teilweise sogar in ihrer Kompetenz unsicher und vermuten dies auch f├╝r einige Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler. Ein Eindruck ÔÇ×da schaut mir einer auf die Finger, ich muss jetzt super korrekt sein und darf keine Fehler machenÔÇť blockiert verst├Ąndlicherweise. Eine daraus resultierende Unsicherheit ├╝bertr├Ągt sich von der Lehrkraft auf die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler und schon geht die ganze ├ľffnung nach hinten los. Nicht jede Person kann dies ausblenden. Auch scheint es wohl einige sehr ├╝berambitionierte Eltern zu geben, die sich und ihre Kinder am Leistungsstand der anderen messen und sich durch einem Einblick in den Schulalltag einen Vorteil verschaffen m├Âchten. Das Argument, schw├Ąchere Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler diesbez├╝glich sch├╝tzen zu wollen und sie nicht mit solchen Menschen als Lesementoren zu konfrontieren, ist durchaus plausibel. Immerhin arbeiten wir Lehrkr├Ąfte t├Ąglich daran, dass keine Kinder blo├čgestellt werden. Deshalb halten die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen die Eltern im Schulalltag eher auf Abstand und nehmen Hilfe nur zu bestimmten Aktionen/Anl├Ąssen in Anspruch. Erziehungsberechtigte in den Klassenraum einzuladen, sie hospitieren zu lassen und sich ein Bild von einem Unterrichtsverst├Ąndnis machen zu lassen, das von ihrer und unserer eigenen Schulerfahrung stark abweicht, ist ihnen weniger geheuer. Schade eigentlich, denn gerade in Bezug auf individuelle F├Ârderung, Differenzierung im Unterricht, und den M├Âglichkeiten selbst├Ąndigen Lernens in der Unterrichtspraxis w├╝nsche ich mir mehr OffenheitÔÇô auch damit Eltern Chancen und Grenzen der heutigen Unterrichtspraxis erleben k├Ânnen. In der Theorie ist manches nicht so einfach zu erkl├Ąren, wenn die eigene Schulbiografie doch so g├Ąnzlich anders war.

Elternmitarbeit als Chance

Da ich selbst Mutter bin, kenne ich beide Seiten und bin vielleicht gerade deswegen offener f├╝r dieses Thema. In der Schule meines Kindes werden viele M├Âglichkeiten zur Mitarbeit angeboten. Hier wird Elternintegration als Chance gesehen. Gerade bei Zusatzf├Ârderung f├╝r DaZ-Sch├╝lerinnen und -Sch├╝ler konnte durch Elternmitarbeit viel erreicht werden. So gab es eine Mutter, die zweimal in die Schule kam, um mit den Sprachsch├╝lern kleine Spiele zu spielen und ihnen bei den Hausaufgaben behilflich war. Auch die dortige Sch├╝lerb├╝cherei wird von Eltern eigenst├Ąndig gef├╝hrt. Sind Ausfl├╝ge oder Projekttage zu organisieren, kommen die Lehrkr├Ąfte gleich auf die Eltern zu und sprechen offen. So auch die Klassenlehrerin meines Kindes am sogenannten 0. Elternabend: ÔÇ×Uns sind au├čerschulische Lernorte sehr wichtig, daher habe ich f├╝r ihre Kinder einen Ausflug geplant. Da wir mit den ├Âffentlichen Verkehrsmitteln aber sehr lange unterwegs sein werden, hoffe ich auf ihre Mithilfe bei Fahrdienst und Begleitung. In der Regel klappt das hier an der Schule, daher habe ich den Workshop schon gebucht.ÔÇť Sie hatte einfach Vertrauen, was mich und andere Eltern sehr erstaunt hat - dennoch hat alles geklappt! Vielleicht mag die grundlegend positive Einstellung daran liegen, dass es eine sehr kleine d├Ârfliche Schule ist. Man kennt sich dort und Nachbarschaftshilfe wird gro├čgeschrieben. Vielleicht ├Âffnen weitere Schulen ihre T├╝ren f├╝r engagierte Eltern, anstatt m├Âgliche Ressourcen auf dem Abstellgleis auf einen Einsatz warten zu lassen. In meiner eigenen Schule arbeite ich daran und bleibe weiterhin positiv. Welche Erfahrungen machst du bei der Mitarbeit von Eltern?

 

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