Miteinander umgehen - Der Seelenvogel (1)

 

Habt ihr schon mal junge Kinder zum Thema Seele befragt? Was stellt ihr euch darunter vor? Wo hat die Seele ihren Platz? Die Antworten sind tiefgrĂŒndiger als gedacht und regen tolle UnterrichtsgesprĂ€che an. Diese Fragen sind Bestandteil meiner Unterrichtseinheit zum Seelenvogel.

Empathie

Sich in die BedĂŒrfnisse anderer einzufĂŒhlen, ist nicht selbstverstĂ€ndlich und fĂ€llt vielen jungen Kindern noch schwer. Um dies anzubahnen, beginnen wir mit einer Geschichte, die erstmal nichts mit dem Seelenvogel zu tun hat. Im Anschluss reflektieren die Kinder, was ihnen selbst gut tut und wann sie sich unwohl fĂŒhlen. DafĂŒr gibt es eine Sonne und eine MĂŒlltonne. Nach einer Murmelrunde kommt im Plenum recht viel zusammen.

Seelen-Fragen (Quelle: Nova)Herunterladen

 

Im nĂ€chsten Schritt steigen wir mit philosophischen Fragen zum Thema Seele in den Unterricht ein. Je nach Lesevermögen können diese tatsĂ€chlich von den Kindern im KreisgesprĂ€ch selbststĂ€ndig vorgelesen und diskutiert werden. Das klappt tatsĂ€chlich auch bei ErstklĂ€sslern zum Ende des Schuljahres und viele sind sehr erpicht darauf, ein „Seelenlos“ (ich schneide die Fragen zu kleinen Zetteln aus) zu ziehen und vorzulesen.

Danach lese ich Ihnen einen Vers aus der Bibel vor: „Ich ließ meine Seele ruhig werden und still; wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir.“ (Psalm 131.2) Das lasse ich auf die Kinder wirken und beginne mit dem ersten Abschnitt aus dem Bilderbuch „Der Seelenvogel“ von Michael Snunit.

Der Seelenvogel. (Bild: Nova)

Der Seelenvogel

Der tiefgrĂŒndige und doch einfach gehaltene Text regt schrittweise zu Erkenntnissen ĂŒber das eigene Ich und die individuellen GefĂŒhle an. Am Anfang heißt es: "In der Seele, in ihrer Mitte, steht ein Vogel auf einem Bein. Der Seelenvogel. Und er fĂŒhlt alles, was wir fĂŒhlen.“

Das lasse ich erstmal wirken und schließe gemeinsame KörperĂŒbungen an, um ins SpĂŒren zu kommen. Also tatsĂ€chlich auf einem Bein stehen, mit den „FlĂŒgeln“ schlagen, den Kopf zur Seite drehen, den Kopf nach unten halten und sich klein machen, frei „schweben“ - halt eben typische Bewegungen, die die Kinder bei Vögeln in der Natur und bei ihren Haustieren so beobachten können. Danach sprechen wir ĂŒber GefĂŒhle, die diese Bewegungen darstellen könnten. Dazu habe ich viele verschiedene GefĂŒhlskarten vorbereitet. Jedes Mal bin ich erstaunt darĂŒber, wie viele GefĂŒhle die Kinder tatsĂ€chlich benennen können und doch bei sich selbst in bestimmten Situationen nicht Ă€ußern können.

GefĂŒhle zeigen und sichtbar

Wie können wir GefĂŒhle noch sehen? Nach den KörperĂŒbungen beschĂ€ftigen wir uns mit Farben. Die Kinder haben schon Vorstellungen davon, welche Farben eher trĂŒb und welche fröhlich wirken. Spannend wird es, wenn ich verschiedenfarbige TĂŒcher in die Mitte lege und die Kinder bitte, sich FarbtĂŒcher zu nehmen und diese ĂŒber den Körper zu legen.

Wir gehen achtsam miteinander um und fragen , weshalb diese oder jene Farbe gewĂ€hlt wurde. "Darf ich auch zwei nehmen?" Besonders bei solchen Fragen freue ich mich, denn dann reflektiert das Kind ĂŒber sein GefĂŒhl und erkennt, dass nicht immer alles eindeutig und klar ist oder oftmals eine Mischung von GefĂŒhlen vorhanden ist.
Besonders der Blick auf das GegenĂŒber hilft meiner Lerngruppe, sich aufeinander einzulassen und Empathie anzubahnen. ZurĂŒckfĂŒhrend auf das Bilderbuch ist das nĂ€mlich der TĂŒröffner, um mit der Geschichte des Seelenvogels und den begleitenden Illustrationen auf „TuchfĂŒhlung“ zu gehen. Dazu lese ich die Geschichte schrittweise in 4 Abschnitten - passend zu den weiteren geplanten Stundenschwerpunkten vor.

Eine Fortsetzung folgt.

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