Aus meiner Erfahrung fällt es vielen Kindern schwer, den Unterschied zwischen ebenen Figuren und Körpern zu verstehen. Daher bietet es sich an, dieses Thema fächerverbindend - sowohl im Mathe- als auch im Kunstunterricht aufzugreifen. Für Jahrgangsstufe 1/2 sind die ersten geometrischen Formen der Kreis, das Dreieck, das Rechteck und das Quadrat. Daher baut auch die Kunsteinheit auf diese Formen auf.
Einführung im Mathematikunterricht
Zunächst bietet sich eine Einführung zu den geometrischen Figuren im Matheunterricht an:
Die Kinder erforschen die oben genannten vier Formen in ihrer Lebenswelt bzw. anhand von Beispielen (Fotos o.Ä.), die die Lehrkraft mitbringt, und erlernen die entsprechenden Fachbegriffe. Diese werden anhand eines Wortspeichers im Klassenraum gesichert. Einzelne Aufgaben, die beispielsweise die Figur-Grund-Wahrnehmung fördern, vertiefen die Sicherheit in den Kompetenzen.
An dieser Stelle baut die Kunsteinheit auf den mathematischen Unterrichtsstunden auf.
In der Einführung der Einheit wird der Künstler Wassily Kandinsky kurz skizziert (hierzu gibt es bereits Beiträge, siehe hier) und seine Vorliebe für geometrische Figuren erläutert.
Die Kinder erhalten dann die Aufgabe der Einheit: Lass unsere geometrischen Formen lebendig werden! Es handelt sich also um einen bewusst offenen Arbeitsauftrag, um die Kreativität der Kinder anzuregen sowie ihre Selbstständigkeit zu fördern.
Zunächst überlegen die Kinder alleine oder zur Ideenfindung mithilfe der Think-Pair-Share-Methode die Inszenierung für ihr Kunstbild. Es steht Ihnen frei ein abstraktes oder gegenständliches Bild zu erstellen.
Der Hintergrund des Bildes wird entsprechend ihrer Vorstellung gestaltet und kann in Ruhe zum Trocknen ausgelegt werden, bevor der zweite Schritt folgt:
Das Arbeitsmaterial (die geometrischen Formen) wird den Kindern differenziert zur Verfügung gestellt: Es gibt Papierbögen in den entsprechenden Farben (rot für Quadrate, blau für Dreiecke, gelb für Rechtecke und grün für Kreise) mit den Umrissen der Figuren in unterschiedlicher Größe. Diese müssen nur noch ausgeschnitten werden. Eine weitere Möglichkeit ist die eigene Herstellung der Formen mithilfe von Lineal und ggf. Geodreieck oder auch ohne Zeichengeräte, um die Wahrnehmung der Kinder zu fördern.
Nun legen die Kinder ihre ausgeschnittenen Formen auf den vorgefertigten Hintergrund zurecht. So können sie feststellen, ob noch Formen für ihr Bild fehlen. Zum Schluss kleben sie diese fest.
In einem abschließenden Museumsgang betrachten die Kinder gegenseitig ihre Produkte und geben sich eine Rückmeldung.
Fazit
Die Kinder erlernen anhand dieser Kunsteinheit, erste geometrische Figuren zu begreifen. Dies ist eine wichtige Basis für das Verständnis weiterer geometrischer Figuren und Körper, die zum mathematischen Lehrplan gehören. Aufgrund der intrinsischen Motivation ein Kunstwerk nach der eigenen Vorstellung zu erschaffen, werden die geometrischen Formen sicherlich noch besser gefestigt. Zugleich trainieren die Kinder ihre Motorik mit dem Ausschneiden und Aufkleben und auch ihr Selbstbewusstsein wird gestärkt im Sinne von: Meine Lösung ist gut und keines sieht so aus wie das andere.
Habt ihr Vorschläge für weitere fächerverbindende Themen für Kunst und Mathe? Schreibt sie gerne in die Kommentare!