Als Klassenlehrerin einer vierten Klasse ist es mir ein persönliches Anliegen, meine Klasse auf den Sprung in die nächste Schulstufe gut vorzubereiten. Natürlich spielt dabei die Medienpädagogik eine entscheidende Rolle, doch in unserer Schule war die Umsetzung in der letzten Zeit sehr schwierig.

Lernen im Lockdown

Dann kam das Szenario C, in dem alle Schüler und Schülerinnen von daheim lernen sollten. Dass diese Aufgabe nicht für alle gleichermaßen gut klappte, war vorauszusehen. Auch wenn wir Lehrkräfte unser Bestes gaben, die Aufgaben entsprechend der heimischen Möglichkeiten auszuwählen. Doch wie soll nun die Medienpädagogik voranschreiten? Diese Frage hat mich im Homeoffice sehr beschäftigt. Anregungen über digitale Möglichkeiten gibt es im Netz ja zuhauf. Doch was ist das richtige für meine Lerngruppe? Was kann ich ihnen und ihren Eltern zumuten, so dass es ein Selbstgänger wird? Nach und nach ploppten Lehreraccounts mit Darstellungen zu virtuellen Klassenzimmern auf. Das hat mir gefallen und so setzte ich mich mit unterschiedlichen deutsch- und englischsprachigen Tutorials auseinander, um ein virtuelles Klassenzimmer für meine Pinguinklasse zu gestalten. Alles basiert auf einer Präsentationssoftware (Powerpoint, Google slides oder Keynote), bei der Folien gestaltet und Inhalte mit Hyperlinks oder zusätzlichen Dateien verbunden werden. Das Aussehen habe ich so gestaltet, dass es für meine Lerngruppe einen Wiedererkennungswert hatte. Besonders lustig fanden sie übrigens die unterschiedlichen „Mini-mes“, mit denen ich meine Person in das Klassenzimmer eingebunden habe. Die Lerninhalte habe ich dem aktuellen Lernstoff angeglichen und sozusagen durch das virtuelle Klassenzimmer ein Supplement erschaffen. 

Das virtuelle Klassenzimmer mit dem Klassenmaskottchen. (Foto: Nova)

Nicht vergessen werden durfte natürlich unser Klassenmaskottchen, der Pinguin. Hier habe ich diverse Specials verlinkt. Mal habe ich eine Pinguingeschichte vorgelesen, die ich mit  dem kostenlosen Programm Audacity eingesprochen und hochgeladen habe. Mal gab es auch ein Pinguinquiz, eine Zeichenanleitung für einen Kawaii-Pinguin und andere pinguintypische Aktionen. Ansonsten habe ich darauf geachtet, eine gute Mischung der Nebenfächer, die im Distanzlernen eher wenig vorkamen, zu integrieren durch beispielsweise besondere Zeichenprojekte, Musikexperimente für daheim oder einen Computer-Tippkurs.

Erfahrungswerte

Diejenigen, die das virtuelle Klassenzimmer aktiv benutzt hatten, haben irgendwann angefangen, Wünsche zu äußern - das fand ich richtig gut. Denn mir zeigte dies, dass die Kinder das virtuelle Klassenzimmer als Medium häufig nutzten und sich auch darüber austauschten, ob irgendwer schon die neuen Inhalte entdeckt hatte. Besonders toll war dies, als wir vom Szenario C und den halben Präsenzunterricht wechseln durften und ich kurz zuvor die „Frage des Tages“ initiiert hatte. Hierbei habe ich aus unterschiedlichen Wissensbereichen täglich eine spannende Frage und nach 18 Uhr die jeweilige Auflösung eingesprochen.

Die Schülerinnen und Schüler konnten dabei Punkte sammeln und haben bei erforderlicher Mindestpunktzahl eine Belohnung erhalten. Hierfür hatte ich kleine Werbegeschenke gesammelt und verteilt. Auch den Umgang mit Learning Apps, Learningsnacks und anderen Online-Quizformaten habe ich so einführen können. In Bezug auf die Medienpädagogik habe ich so ca. 70 % meiner Lerngruppe erreichen können. Aber auch die übrigen Kinder, die kein Endgerät daheim hatten, um das virtuelle Klassenzimmer zu nutzen, haben profitieren können. Denn im Präsenzunterricht hatte ich mir einmal in der Woche die Zeit genommen, den Kindern das virtuelle Klassenzimmer zu zeigen und mit Hilfe eines „erfahrenen“ Kindes die verlinkten Lernformate zu entdecken.

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