Inselbegabungen und Lernschwierigkeiten

iStockphoto.com / VLADGRIN

In der Schule fallen meistens die Kinder auf, die etwas besonders gut k├Ânnen oder die, die Lernschwierigkeiten haben, erwartete Leistungen zu erbringen. Manche Kinder fallen auch aus beiden Gr├╝nden auf. So ging es mir mit Moritz. Der Erstkl├Ąssler tat sich schwer, Buchstaben zu lernen und in Verbindung mit W├Ârtern zu setzen. Im Kunstunterricht bl├╝hte er dagegen auf. Nicht nur das. Er faltete die schwierigsten Origami und zeigte seine ganze Kreativit├Ąt. Die Bewunderung der Mitsch├╝ler war Moritz schnell sicher und schon bald hatte er seine Stammkundschaft, f├╝r die er die unterschiedlichsten Figuren falten sollte. Die W├╝rdigung seiner k├╝nstlerischen Arbeit war Moritz ebenso sicher wie die Sorge von Eltern und Lehrern, was aus dem Schriftspracherwerb wird.

An F├Ąhigkeiten und Interessen ansetzen

Meiner Ansicht nach sollen Sch├╝ler da abgeholt werden, wo sie sind. Wenn sich ein Kind aber so gar nicht f├╝r ein elementares Fach wie Deutsch interessiert, wird es schwierig. Ich konnte Moritz schlie├člich davon ├╝berzeugen, Buchstaben zu lernen und W├Ârter daraus zu bilden. Wir haben aus Zeitungen, Zeitschriften und Werbeprospekten Buchstaben ausgeschnitten und W├Ârter daraus zusammengelegt. Verbinden lie├č es sich mit den Basteleien von Moritz. Da entstand schon mal ein Schmetterling, auf dem die Buchstaben ÔÇ×SchÔÇť klebten oder eine Fantasiegestalt mit dem Anfangsbuchstaben eines Kindes. Es dauerte eine Weile, bis Moritz verstand, dass es wichtig ist, Buchstaben zu lernen. Es war ihm und seinen Mitsch├╝lern vielleicht nicht so bewusst, dass seine Lehrerinnen und Lehrer ganz viel experimentiert haben, um Moritz das Lesen und Schreiben doch noch schmackhaft zu machen. Aber nachdem Moritz seine eigenen ersten S├Ątze schreiben konnte und sie der Klasse stolz vorlas, war ich mir sicher, dass es jede M├╝he und vor allem Geduld wert war.

Pers├Ânliche Wertsch├Ątzung erfahren

Seit der Begegnung mit Moritz versuche ich, jedes Kind in seinen St├Ąrken zu f├Ârdern. Motivation ist die halbe Miete. Wenn das Kind erstmal die Wertsch├Ątzung erf├Ąhrt f├╝r das, was es kann, dann ist der Weg dahin, anfangs schier Unm├Âgliches zu leisten, auch nicht mehr un├╝berwindbar.

 

Merken
Zur Liste hinzuf├╝gen:
Hinzuf├╝gen
Schreiben Sie einen Kommentar