Elterntypen (1): Wunsch-Eltern

Ein Wunschtraum: Der erste Schultag: Frau Schulz bringt ihre Tochter Lena in die Schule. Sie drückt ihr die zusätzliche Tasche mit den Arbeitsheften, Wachsmalern und Tuschkasten in die Hand und verabschiedet sich. Lena zeigt mir später stolz ihre mit Namen beschrifteten Stifte und Hefte. Alles ist in Großbuchstaben geschrieben und gut lesbar. Ich sehe, dass das Mädchen gut vorbereitet in die Schule kommt und alles dabei hat, was für das neue Schuljahr angeschafft werden muss. Frau Schulz gibt mir den ausgefüllten Notfallbogen – die Telefonnummern sind aktuell. Sie verabschiedet sich mit dem Hinweis, erreichbar zu sein, falls es in der Klasse etwas gibt, wofür wir Unterstützung brauchen, sei es das bevorstehende Schulfest oder Aktionen wie ‚gesundes Frühstück‘. Lena hat schon eine ältere Schwester in derselben Schule. Frau Schulz weiß also, worauf es ankommt.
Wie einfach wäre Elternarbeit von Anfang an, wenn doch alle Eltern so wären …

Wie eng sollten Eltern eingebunden werden?

Es ist sicher eine persönliche Einstellungssache, wie offen, transparent und kommunikativ ich als Lehrerin bin. Greife ich auf Mütter und Väter zurück bei Ausflügen, Bastelnachmittagen, Klassenfahrten und belasse es dabei oder öffne ich mich weiter, um auch hinter die Kulissen sehen lassen zu können?

Meine persönliche Erfahrung hat mich gelehrt, dass es ein Gewinn ist, Eltern nicht vor der Klassenzimmertür stehen zu lassen, nicht nur nach Termingabe Elterngespräche zu führen, sondern die Eltern im größeren Umfang einzubeziehen, und dadurch auch einen Einblick ins Elternhaus zu bekommen. Die Praxis, meine Telefonnummer und Emailadresse herauszugeben, dadurch nahezu unbegrenzt erreichbar zu sein, sieht auf den ersten Blick nach Distanzlosigkeit aus. Das ist es aber nicht. Aus der Öffnung ist eine Win-win-Situation geworden. Ich nehme die Eltern ernst, lese ihre Nachrichten auch noch nach 19.00 Uhr, höre ihnen zu, auch wenn sie unangemeldet in der Schule zur Pause auflaufen und kann durch das sofortige Gespräch oftmals erste Schwierigkeiten abwenden.

Gute Zusammenarbeit: Elternarbeit sollte sich nicht nur auf den Elternsprechtag beschränken. (Bild: fotolia.com, New York: aleutie)

Es gibt für alles eine Lösung, je zeitnaher und je authentischer ich bin, desto zufriedener sind beide Seiten. Wer jetzt denkt, ich bin rund um die Uhr erreichbar, irrt. Telefongespräche meide ich. Das wissen die Eltern. Sie schreiben mir Nachrichten, wenn sie etwas belastet und ich antworte, wenn ich Zeit habe. Möglichst am selben Tag. Die Offenheit, das Ernst nehmen der Sorgen der Eltern, führt dazu, dass die Elternarbeit sehr harmonisch ist. Eltern hospitieren im Unterricht, sie bekommen Einblick in den Unterrichtsalltag, sehen das Zusammenspiel der Kinder untereinander, aber auch, wo es Probleme gibt. So passiert es nicht selten, dass Eltern mich ansprechen und sagen, ich solle ihnen Bescheid geben, wenn wir Material brauchen (Das Angebot habe ich schon angenommen. Wir brauchen immer etwas wie z.B. Wolle oder Malblätter) oder eine Begleitung zu einem Schulausflug.

Schule gelingt gut, wenn Lehrer und Eltern zusammenarbeiten. Die Eltern mit ins Boot zu holen, ist nicht immer leicht, denn nicht alle Eltern lassen sich auf eine Kooperation ein …

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